Neuroinflammation: Unterschätzte Entzündungsprozesse hinter Alzheimer und Parkinson

Shownotes

„Viele Patientinnen und Patienten zeigen Symptome, lange bevor von Alzheimer oder Parkinson gesprochen wird – häufig im Zusammenhang mit einer anhaltenden Entzündungsaktivität im Gehirn, der Neuroinflammation.“ – In diesem PARACELSUS LAB Deep Dive erklärt Gesundheitswissenschaftler Matthias Baum, warum Entzündung im Gehirn zunächst eine Schutzreaktion ist – und ab wann sie problematisch wird. Hält die Aktivierung an, können kognitive Leistungsfähigkeit, Stressregulation und neuronale Netzwerke zunehmend beeinträchtigt werden.

Neuroinflammation gilt heute als zentraler Mechanismus, der frühe neurologische Beschwerden mit späteren neurodegenerativen Erkrankungen verbindet. Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose unterscheiden sich im Verlauf, teilen jedoch eine gemeinsame Grundlage: eine dauerhaft aktivierte Immunreaktion im zentralen Nervensystem.

Typische frühe Warnsignale sind anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Hirnnebel, reduzierte Belastbarkeit, Stimmungsschwankungen und nicht erholsamer Schlaf. Diese Muster entstehen meist nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit Faktoren wie Stoffwechselstörungen, Schlafmangel, chronischem Stress und systemischer Entzündung.

Da Neuroinflammation im Alltag kaum direkt messbar ist, liegt der Fokus auf der Regulation ihrer Treiber. Eine zentrale Rolle spielt Bewegung: Regelmäßige, moderate Aktivität wirkt entzündungshemmend und unterstützt schützende Prozesse im Gehirn.

Was unterscheidet akute von chronischer Neuroinflammation? Und wie lassen sich frühe Warnsignale ernst nehmen, bevor Erkrankungen entstehen? Antworten direkt aus dem PARACELSUS LAB.

Ein ALL EARS ON YOU Original Podcast.

Transkript anzeigen

00:00:00: Bewegung ist die sinnvollste Möglichkeit, nicht nur um irgendwie Kalorien zu verbrennen, sondern Entzündung zu regulieren.

00:00:08: Peripher in der Low-Grade-Information war bei insbesondere im Kontext der Norr-Inflammation.

00:00:14: Paracelsus Lab Revolutionäre Perspektiven auf Gesundheit und Krankheit.

00:00:22: Der Podcast der Paracelsus Gesundheitsakademien mit Matthias Baum.

00:00:29: Willkommen im Paracelsus Lab.

00:00:31: Wir wollen diese Episode für einen Mechanismus nutzen, der in der modernen Medizin immer mehr Bedeutung bekommt, weil er viele klinische Bilder miteinander verbindet.

00:00:43: Das Thema heute ist Neuroinflamation, also Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem.

00:00:51: Warum ist das relevant?

00:00:52: Dazu mal ein kurzer Blick auf die Zahlen und Fakten.

00:00:57: In Deutschland leben aktuell etwa eine Million Menschen mit Demenz.

00:01:02: Der größte Teil davon ist die Alzheimer-Demenz.

00:01:06: Parkinson betrifft über vierhunderttausend Menschen.

00:01:09: Und Multiple Skerose betrifft über dreihunderttausend Menschen.

00:01:14: Diese Erkrankungen sind in ihrer Ursache und ihrem Verlauf sehr unterschiedlich.

00:01:20: Aber sie teilen einen biologischen Kern.

00:01:23: eine chronisch aktivierte Immunantwort im zentralen Nervensystem genannt Neuro-Inflammation.

00:01:30: Und was hier für die Praxis entscheidend ist, Neuro-Inflammation ist häufig kein Spätphänomen, was irgendwann im Laufe dieser neurodegenerativen Erkrankungen auftritt, sondern kann sehr früh beginnen, lange bevor eine Diagnose wie Alzheimer oder Parkinson gestellt wird.

00:01:47: Viele Patientinnen und Patienten zeigen vorher bereits Symptome wie Anhalten der Erschöpfung, die nicht mit dem besseren Schlaf verschwindet.

00:01:56: Der Hirnnebel Brain Fog, also auch verlangsamtes Denken oder Konzentrationsprobleme, erhöht Reizbarkeit, Geräusch und Lichtempfindlichkeit, weniger Motivation und Belastbarkeit.

00:02:09: Das Ziel dieser Episode ist also zu klären, was ist Neuinflumation?

00:02:14: Welche Symptome sind typisch?

00:02:16: Warum Entzündung im Gehirn durchaus auch positive Effekte hat und was das Problem bei chronischer Entzündung ist?

00:02:24: Was man sinnvollerweise testen kann und was vielleicht doch besondere Testmethoden darstellt und welche therapeutischen Hebel es gibt und hier ein besonderer Lebensstilbereich.

00:02:36: quasi wirklich passend in die Naturheilkunde rein, was auf jeden Fall sinnvoll ist.

00:02:40: Aber lasst uns dafür erst einmal reinstarten und beginnen mit der Frage, was ist Neuroinflammation?

00:02:47: Wie bereits erwähnt, bedeutet Neuroinflammation im zentralen Nervensystem, also Gehirn- und Drückenmark, läuft eine Immunreaktion ab.

00:02:56: Das ist erstmal ganz grundsätzlich.

00:02:58: Und diese Immunreaktion im Gehirn wird gesteuert durch unterschiedliche Zelltypen.

00:03:05: Die wollen wir an der Stelle einmal erwähnen.

00:03:07: Dazu zählen zum einen die sogenannten Mikroglier.

00:03:10: Das sind quasi die Immunzellen des Gehirns und vergleichbar mit einem lokalen Sicherheitsdienst.

00:03:17: Und es gibt die Astrozyten.

00:03:20: Das sind Klierzellen, die nicht nur Stützzellen sind, wie sie häufig beschrieben werden, sondern aktiv den Stoffwechsel, Synapsen und die Bluthirnschranke regulieren.

00:03:29: Bei der Aktivierung, und wir schauen gleich noch auf die Auslöser, setzen diese Zellen dann, also die Mikroglier und die Astrozyten, entzündliche Botenstoffe frei, sogenannte Zytokine.

00:03:40: Und diese Zytokine sind genauso wie sonst auch bei Entzündung im Körper signalen Moleküle für das Immunsystem.

00:03:47: Da haben da so verschiedene Zytokine, die es gibt, dabei insbesondere Interlockin-I-Better, Interlockin-VIII und tun wir eine große Faktor.

00:03:56: Alpha, also TNF Alpha, sind hier zu benennen.

00:03:59: Und diese Signale verändern nicht nur Entzündungsmarker, sie verändern die Funktionen, die Funktionen der Synapsen, die Netzwerkaktivität, Stressregulation und kognitive Leistung.

00:04:11: Grundsätzlich gilt neue Inflammation ist sehr dynamisch.

00:04:14: Es gibt die akute neue Inflammation und Die ist insofern interessant, weil sie sicherlich bei vielen von uns regelmäßiger auch stattfindet.

00:04:23: Aber akut bedeutet eine akute Entzündungsreaktion und am Ende eine Wundheilung und eine adaptive Anpassung, also vielleicht auch eine Verbesserung der Strukturen.

00:04:33: Das ist in der Akutphase.

00:04:35: Doch wenn es chronisch wird, dann ... Ist es durchaus krankmachend.

00:04:39: und wie ich schon erwähnt, ist dann dieser Mechanismus der Neuroinflammation Grundlage dafür, dass auch neurodegenerative Erkrankungen entstehen oder viele der Symptome von Patienten in der Praxis, die täglich zu tun haben mit Konzentrationsproblemen, Stimmungsveränderungen und vielen mehr.

00:04:56: Aber lasst uns erst mal diese Symptome etwas einordnen.

00:05:01: Neuroinflammation zeigt sich in der Praxis oft nicht als klassisches Entzündungsgeschehen oder Entzündungsschmerzen, die durchaus mit auftreten können, sondern es handelt sich hier logischerweise um funktionelle Symptome.

00:05:14: Ich habe versucht, die mal in vier unterschiedliche Bereiche zu klasstern.

00:05:18: Einmal der Bereich Kognition, dazu zählen, der eben schon erwähnte Hirnnebel, also Brainfork, Konzentrationsprobleme, teilweise auch Wortfindungsstörungen.

00:05:28: Cluster Nummer zwei wäre das Thema Energie und Belastbarkeit.

00:05:32: Erschöpfungsthemen, sich also nicht nur müde zu fühlen, weil vielleicht zu wenig Schlaf vorhanden ist, sondern wirklich leer zu fühlen.

00:05:39: Reduzierte körperliche, aber vor allen Dingen auch mentale Belastbarkeit.

00:05:44: Cluster drei wäre eher auf Ebene Stimmung und Verhalten einzuordnen.

00:05:49: Also erhöhte Reizbarkeit beispielsweise, weniger Freude, weniger Antrieb und sozialer Rückzug.

00:05:56: Und Cluster Nummer vier wäre eher auf Ebene Schlaf- und Stresssystem.

00:06:01: Das heißt, hier findet vielleicht Schlaf statt, aber er ist nicht erholsam.

00:06:05: Weder Rämschlaf noch Tiefschlaf funktioniert gut.

00:06:07: Einschlafen könnte ein Problem sein.

00:06:10: Und natürlich bezogen auf das Stresssystem auch eine erhöhte Stressaktivität oder weniger Stress-Toleranz.

00:06:16: Und diese Muster, diese Cluster werden in der Neurobiologie auch gerne als sickness behavior beschrieben.

00:06:23: Also eine Art biologisches Programm.

00:06:25: dass entsteht, sobald Entzündung ausgelöst wird.

00:06:29: Und hier vielleicht der interessante Punkt.

00:06:31: Wir kennen Sickness Behavior auch bei Entzündungssituationen in anderen Bereichen, ob nun an Schleimhäuten bei einem Infekt oder eine Erkältung oder auch bestimmten Verletzungen, dass wir eher auf Rückzug sind, weniger Antrieb haben.

00:06:45: Und die Auswirkung ist klar, die Entzündung, die lokal in einer Region beginnt, wirkt sich auch aus auf ... unserer Bluthirnschranke und damit auf unsere Mikroglia und Astrozyten.

00:06:57: Und die Entzündung geht quasi über in das zentrale Nervensystem.

00:07:02: Jetzt lass uns in der Logik einmal darauf schauen, warum Entzündung und auch Entzündung im Gehirn grundsätzlich nicht als Fehler zu verstehen ist.

00:07:11: Denn wie wir hier schon häufiger besprochen haben, ist Entzündung erstmal ein Teil der Aktivität.

00:07:17: unseres Immunsystems.

00:07:19: Und Entzündung ist nicht per se schlecht, sondern ganz im Gegenteil, eine akut ablaufende Entzündung ist hilfreich, um beispielsweise ein Patogen zu beseitigen, die Situation zu klären.

00:07:32: Natürlich auf Kosten von Gewebe, was so in der Umgebung ist, also es geht auch einiges kaputt und Entzündungssymptome, kennen wir dann viele mit Hitze, Rötung, Schwellung, Schmerz und Funktionseinschränkung.

00:07:42: und Am Ende der Entzündung kommt dann die Wohnteilung und das Gewebe wird eigentlich wieder aufgebaut.

00:07:49: Wenn also ein Organismus eine Infektion hat oder verletzt ist, dann ist es sinnvoll, dass das Gehirn des Verhalten anpasst.

00:07:57: Die Entzündung im lokalen Bereich eines bestimmten Gewebes wirkt sich also auch auf das Gehirnhaus und weniger Aktivität, mehr Ruhe, weniger Risiko und der Fokus auf Regeneration macht hier durchaus Sinn.

00:08:09: Und die Entzündung auch im Gehirn kann durchaus Sinn machen.

00:08:12: Es gibt verschiedene Treiber, die das mit begünstigen können.

00:08:15: Am Ende ist es kurzzeitig und dann adaptiv.

00:08:19: Und der Miss-Match entsteht eigentlich wieder einmal in unserer modernen Welt, weil die Situation sich vielleicht anders darstellt.

00:08:28: Wir haben dann nicht eine primäre akute Entzündungssituation, die dann auch abklingen wird, sondern häufig, und wir haben eine eigene Episode hier schon zugemacht, eine anhaltende, niedriggradige Entzündungssituation.

00:08:42: Wir sprechen hier von der sogenannten Low-Grade-Information, die nicht primär im Gehirn oder im zentralen Nervensystem beginnen muss, sondern in anderen Bereichen.

00:08:51: Und diese niedriggradige Entzündung sorgt letztendlich auch, dass es Auswirkungen auf unser zentrales Nervensystem und auf das Thema der Neuro-Inflammation nehmen kann.

00:09:01: Die Low-Grade-Information nur, um das nochmal festzuhalten, entsteht typischerweise durch andere Prozesse in unserem Stoffwechsel.

00:09:08: Typischerweise haben wir hier die metabolische Disregulation, also Themen wie Insulinresistenz spielen hier eine Rolle.

00:09:15: Oder hohe Fettmengen im Bauch oder Leberbereich, wisst ihr reales Fett, weil hier mehr Entzündungsbotenstoffe produziert werden.

00:09:23: Natürlich auch unser alltägliches Verhalten in Tag- und Nachtrhythmus, also Schlafmangel, chronische psychosozialer Stress, chronische Infekte oder Entzündungsherde an anderen Stellen, die nicht abhallen.

00:09:35: und wiederholte starke Trainingsbelastung.

00:09:39: Und das geht raus an alle Sportlerinnen und Sportler, die viel trainieren, aber zu wenig Fokus auf Regeneration legen.

00:09:46: Und all diesen Mechanismen, die mit Low-Grade-Information niedrig-kardiger Entzündungen in Verbindung stehen, basieren auf einem anderen Modell, der diese Zusammenhänge beschreibt, nämlich Endotoxine, die in unsere Blutbahnen gelangen können, also Bestandteile von Mikroben, die auf unseren Oberflächen leben, und Barrieren, wie beispielsweise der Darm, durchlässiger wird, und die aktivieren unser Immunsystem, es gibt systemische Entzündungssignale, und das Ganze wirkt sich dann auch auf das zentrale Nervensystem aus.

00:10:17: Das Gehirn interpretiert dann quasi diese Signale auch als Gefahr und schaltet auf einen chronisch-entzündlichen Prozess und eine Art Schutzprogramm um.

00:10:27: Natürlich gibt es für die Neuro-Inflammation verschiedene Trigger- und Auslöser oder häufig auch eine Kombination.

00:10:35: Die systemische Entzündung oder Low-Grade-Information, gerade in Verbindung mit neurodegenerativen Erkrankungen, ist einer der zentralen Punkte.

00:10:44: Wie gerade schon beschrieben, bezieht sich das hier als Auslöser eher auf metabolische, also stoffwechselbezogenen oder stressbedingte Entzündungssignale, die ausgelöst werden.

00:10:54: Es gibt aber für die Entstehung von neuen Informationen noch andere Möglichkeiten, wie beispielsweise Infektion oder postinfektiöse Zustände, gerade nach Virusinfektion beispielsweise.

00:11:05: Auch ohne direkte Gehirninfektion ist das Ganze möglich.

00:11:10: Aber wir sehen eine Immunantwort im zentralen Nervensystem.

00:11:15: Was ebenfalls ein Trigger für Neuroinflammation sein kann, oder quasi ein Auslöser, sind Traumatar, also Schädelhirntraumatar oder Schlaganfälle.

00:11:23: Nach der primären Schädigung folgt häufig eine sekundäre Entzündungskaskade, die die Funktion und die Regeneration beeinflusst.

00:11:32: Im Idealfall wird es irgendwann beendet, aber auch hier besteht die Möglichkeit der chronischen Neuroinflammation.

00:11:39: Im Rahmen der neurodegenerativen Prozesse.

00:11:42: Gerade wenn wir noch mal auf Alzheimer schauen, ist es so ein Brandbeschleuniger, wenn vielleicht auch schon Protein-Aggregate gebildet werden.

00:11:50: Wir sprechen ja bei Alzheimer häufig auch über Ameloid-Plachs, die gebildet werden oder bestimmte Tauproteine.

00:11:58: Und diese Strukturen sind wiederum eine Art Gefahrensignal und die können erneut die Mikroglia aktivieren.

00:12:05: Also vielleicht bestand im Vorfeld auch schon neue Inflammation.

00:12:09: Es gab Probleme in der Funktionsweise, Bildung von Proteinaggregaten und dann haben wir einen weiteren Beschleuniger.

00:12:16: Dass neue Inflammation besteht, dann gibt es einen anderen Risikofaktor oder eine Ursache und das ist das Alter an sich und vor allen Dingen das Alter des Immunsystems oder wenn das Immunsystem älter wird und die zunehmende Immunfunktion sich verändert.

00:12:34: Das heißt, die Grundaktivität der Immunzellen schon eher in entzündliche Programme umgeschaltet werden.

00:12:40: Das kann durchaus auch die Blutöhnenschranke bei Jerefunktionen fragiler machen und für mehr Entzündung sorgen.

00:12:47: Ein weiterer Treiber oder Trigger können natürlich auch andere Autoimmuneprozesse sein.

00:12:53: MS, also mutipelst Gehose, ist hier das klassische Beispiel.

00:12:57: bei dem Entzündungen und Immunzellrekrutierung im zentralen Nervensystem zentral sind.

00:13:03: Und all diesen Punkten gemeinsam haben wir dann einen weiteren Brandbeschleuniger quasi mit dabei, quasi ein spezifisches Inflamosom, das gebildet wird, also intracelluläre Eiweiße, die die Gefahrensignale verarbeiten.

00:13:21: Und dieser Beschleuniger sorgt letztendlich dafür, dass es einen entzündlichen Gewebstod oder Zeltod geben würde.

00:13:29: Und das wiederum hat zur Folge, dass durch dieses veränderte Inflammosom es zu chronischen Aktivität und zu neuere Inflammationen im Selbsterhalt kommen wird.

00:13:42: So, jetzt, wo wir geklärt haben, was neuere Inflammation ist, wodurch es ausgelöst werden kann, und welche möglichen Trigger entstehen, will man natürlich wissen, okay, kann ich das testen?

00:13:53: Das wäre so eine typische Frage.

00:13:56: Und da müssen wir es ehrlicherweise etwas pragmatisch betrachten, jetzt gerade auch an Ärztinnen und Ärzte, die uns zuhören, Therapeuten, Therapeuten.

00:14:04: Viele wissen das natürlich auch schon, dass es nicht den einfachen Test für das Thema der Neuroinflammationen gibt.

00:14:11: Im Alltag ist die Testung der Neuroinflammation eher schwer direkt.

00:14:16: zu beweisen.

00:14:16: Es ist eher ein Mechanismus, der zwischengeschaltet ist und auch hier Entzündung nicht nur lokal abläuft, sondern sich eben auch auf das zentrale Nervensystem mit auswirkt.

00:14:28: Es gibt in der Forschung und auch Ideen und Möglichkeiten der Spezialdiagnostik, um bestimmte Marker festzustellen.

00:14:34: Also zum Beispiel Marker für die Glieraktivität wäre etwas, was man sich genauer anschauen könnte.

00:14:41: oder verschiedene Zytokine, also Botenstoffe des Immunsystems oder Chemokine, die natürlich auch mit dazu gehören, oder auch bildgebende Verfahren, rund um Petscans beispielsweise, die auch hier wieder die Glea-Aktivierung darstellen können.

00:14:57: Aber sind wir mal ehrlich, das ist nicht das, was die klassische Routine ist.

00:15:01: und zur Überführung, dass das eine Rolle spielt oder das Verhandensein von Neuroinformation eine wichtige Rolle spielen könnte.

00:15:08: Er macht es eher Sinn, die möglichen Auslöser oder Treiber zu erfassen, die mit Neuinflammation mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in Verbindung stehen.

00:15:19: Das heißt, wir schauen auch im Rahmen unserer Basisdiagnostik, ob nun über Blutwerte auf Entzündungsmarker, über das Blutbild, über Eisenspeicher beispielsweise oder Stoffwechselparameter, wie Klikose, Insulin, den Homaindex beispielsweise, Lipidprofile wie Cholesterin, Triglyceride, HDL, LDL, was da natürlich mit dazu gehört, Leberwerte oder auch Schildrösenfunktionen.

00:15:43: Und anhand der Basisdiagnostik bekommt man ein Bild über die metabolischen Zustände und vielleicht auch die entzündliche Last.

00:15:50: Vielleicht bestätigt sich hier auch die niedriggradige Entzündung.

00:15:53: Und im nächsten Umkehrschluss ließe sich gepaart mit dem Symptom, was Patienten vielleicht auch schon bereits beschreiben, eine passende Verbindung zur Neuro-Information finden und damit einen wichtigen Hebel oder auch Ansatzpunkt.

00:16:08: Denn jetzt ist auch die Frage, wenn wir es also nicht genau testen können, wir wissen, dass Entzündung hier auch der entscheidende Punkt ist, Wir können es indirekt herausfinden, dass die Neuinflamation besteht.

00:16:19: Dann sollten wir auf therapeutische Möglichkeiten schauen, die jetzt auch hilfreich sein können.

00:16:25: Und der erste Gedankengang ist natürlich immer, wenn man Entzündung hört.

00:16:27: Na ja gut, dann nehme ich etwas, was Entzündung hemmen kann.

00:16:31: Bei neurodegenerativen Erkrankungen, wo also auch die Entzündung und die chronische Entzündung und die Neuinflamation eine entscheidende Rolle spielt, funktionieren aber ... Entzündungshemmende Medikamente, wie wir sie kennen, nicht steroidale Antirheumatika, nicht wirklich gut.

00:16:46: Und der Hintergrund ist hier natürlich auch, dass die Zielstruktur, also das, was hinter der Barriere liegt im Gehirn, gar nicht richtig targetieren können, also das gar nicht richtig hinkommen kann.

00:16:56: Und es ist keine akute Entzündung, es ist ein chronisch-entzündlicher Prozess.

00:17:00: Und dementsprechend sollten wir auch hier, ähnlich wie in der Diagnostik auch, wenn wir also kennen, dass es niedriggradige Entzündungszustände gibt, eher die Treiber reduzieren, die für niedriggradige Entzündung und dann neue Inflammationen sorgen können.

00:17:16: Das heißt, wenn wir feststellen, dass es stoffwechselbedingte Entzündungszustände gibt, wie erhöhtes viscerales Fett oder Leberverfettung beispielsweise, hoher Alkoholkonsum, Probleme im Schlafen oder in der Tag-Nacht-Rhythmik, andere chronische Entzündungsherde, beispielsweise auch gerne im Mundraum, mit Paradontitis oder abgestorbenen Strukturen an Zähnen, dann sollten wir eher diese Treiber versuchen zu identifizieren und hier versuchen zu intervenieren.

00:17:46: Und ein ganz besonderes tool könnte man sagen oder ich würde sagen das beste medicament was man grundsätzlich bei neuere inflammation mit einsetzen kann und quasi den wichtigsten nicht pharmakologische hebel ist aber man beschreibt es auch gerne als die poly pill ist hier an dieser stelle definitiv bewegung.

00:18:10: und bewegung ist nicht nur nice to have.

00:18:13: also ja wir wissen das bewegung gesund ist aber warum ist Bewegung so entscheidend, wenn wir über das Thema neuroinflammation sprechen.

00:18:21: Bewegung ist also nicht nur Muskelaktivität, dass ich etwas von A nach B bewege, ob nun ein Schrittmacher oder ein Gewicht hebe, sondern es ist ein enormer biologischer Stimulus.

00:18:33: Und das ist mehr und mehr etwas, was man in der Forschung herausgefunden hat.

00:18:39: Wenn wir uns bewegen, dann produzieren unsere Muskelzellen eine Vielzahl hunderte unterschiedlicher Myokine.

00:18:47: Und wir haben eben schon über Zytokine gesprochen, also Botenstoffe des Immunsystems.

00:18:51: Und aktive Muskulatur produziert eben Botenstoffe der Muskulatur.

00:18:56: Und das ist ein enormer biologischer Stimulus, der Immunprogramme beeinflussen kann.

00:19:03: Wir haben schon häufiger gehört, dass Bewegung Entzündung reduzieren kann.

00:19:07: Und es gibt einen ganz klar nachgewiesenen Effekt von regelmäßigem Training und Bewegung auf die Reduktion von Entzündung und es funktioniert eben nicht nur dadurch, dass mehr Muskulatur hilfreich sein würde für den Stoffwechsel an sich oder für Grundumsatz oder ähnliches.

00:19:24: Nein, die direkte Produktion von Myokin, also Botenstoffen aus der Muskulatur, hemmen Botenstoffe des Immunsystems.

00:19:33: Und wenn wir in einem chronisch aktiven Immunzustand sind, als Low-Grade Information oder im zentralen Nervensystem, als No-Inflammation, dann haben wir hier einen hervorragenden Hebel.

00:19:46: Und gleichzeitig sorgt Sport oder die Bewegung oder die Aktivität der Muskulatur auch dafür, dass Botenstoffe produziert werden, die dem Gehirn Neuroplastizität, also die Möglichkeit geben, sich neu auszubilden, neue Synapsen zu bilden, neue Neuronen zu bilden.

00:20:04: Und das Ganze passiert konkret bei regelmäßiger Bewegung.

00:20:08: Das heißt, es ist relativ klar mit Blick auf alle neurodegenerativen Erkrankungen oder immer dann, wenn wir eine Situation haben, die uns Hinweise gibt für Neuroinflammation, also Entzündung im Gehirn.

00:20:22: Hier gezielt mit Bewegung anzusetzen, um pro-inflamatorische Signale zu senken, die Mikroglier zu modulieren und das ist das andere Neuroprotektive und aufbauende Programme zu fördern.

00:20:35: All das geht durch Bewegung.

00:20:37: Und jetzt ist natürlich die Frage, okay, was soll ich dann an Bewegung machen?

00:20:39: Welcher Sport ist am besten dafür geeignet?

00:20:42: Ein konkretes Bewegungsprotokoll bei neuro-inflamatorischer Symptomatik ist folgendes.

00:20:48: Regelmäßiger und dann moderater Belastung und nicht unbedingt High-Intensity, also hohe Intensitäten im Training.

00:20:56: Wenn gleich das auch viele positive Aspekte haben kann, für die, die jetzt sagen, ja, nee, das ist doch eigentlich auch total gut.

00:21:02: Natürlich ist jede Form der Bewegung gut, aber wenn die Situation besteht, wie eben beschrieben, dieses Symptomklaster bestehen, dann fehlt es vielleicht auch an Antrieb.

00:21:11: Von daher steht auf der einen Ausdauertraining.

00:21:15: und zwar im moderaten Belastungsbereich.

00:21:17: Wir sprechen hier von Zone II.

00:21:20: Das heißt, um es ganz simpel zu machen, ich mache eine Ausdauereinheit, ob nun Radfahren, Schnelles gehen, joggen, rudern, was auch immer möglich ist, bei einer Intensität, bei der ich noch gut sprechen kann.

00:21:34: aber nicht mehr singen kann.

00:21:35: Das wäre so die pragmatische Umsetzung.

00:21:38: In Pulsbereich könnte man eher ansetzen zwischen sechzig bei teilweise bis achtzig Prozent, wo das ganz gut funktionieren würde.

00:21:46: Und sinnvoll ist hier praktisch in der Umsetzung vier bis fünf Mal pro Woche.

00:21:50: Fünfundzwanzig bis vierzig Minuten.

00:21:53: Zügiges Gehen, Radfahren, Kosttrainer wäre auch noch eine Möglichkeit.

00:21:56: Die Intensität ist moderat.

00:21:59: Das Ganze ist stabil und eben nicht auf maximale Belastung ausgelegt.

00:22:05: Wenn ich aber für das Ausdauertraining nicht so viel übrig habe, dann steht auf der Zwei das Krafttraining und hier gilt auch niedrig bis moderat, zweimal die Woche, ganz Körpertraining.

00:22:14: Man kann hier die typischen Grundübungen gut durchführen, ob nun Kniebeuge und Kreuzheben und Bankdrücken oder auch geführt an Geräten.

00:22:23: Zwei bis drei Sätze kann man durchführen, aber nicht bis zum kompletten Muskelversagen.

00:22:28: Denn wenn wir die Intensität zu hochschrauben, kann es in der Phase, wo die neue Inflation weiterhin anhält, zu belastend sein und kann am Ende für eine Art Crash oder eine erhöhte Ermütbarkeit sorgen.

00:22:42: Und das ist wiederum für viele kontraproduktiv gerade zu beginnen.

00:22:46: Aber Bewegung ist... die sinnvollste Möglichkeit, nicht nur um irgendwie Kalorien zu verbrennen, sondern Entzündung zu regulieren, Peripher in der Low-Grade-Information, aber insbesondere im Kontext der Neuroinflammation.

00:23:01: Natürlich gibt es darüber hinaus, das sollten wir an der Stelle erwähnen, die Möglichkeit oder die Idee, weitere spezifische Medikamente bei Neuroinflammationen einzusetzen und viele von euch die im Rahmen von neurodegenerativen Erkrankungen versuchen, genauer zu verstehen, wie die Medikamente wirken können.

00:23:20: Dann ist ein wichtiges Thema eben diese Entzündungsregulation, also die gezielte Modulation der Entzündungen.

00:23:26: Ich habe eben das sogenannte Inflamosom angesprochen, was typischerweise entsteht, je nach Ursache oder Trigger, wenn neuere Information entsteht.

00:23:36: um hier eine gezielte Strategie zu haben, um die Entzündung nicht in diesen chronischen Modus zu überführen.

00:23:42: Und hier braucht man natürlich gezielte Medikamentenforschung, pharmacologische Forschung, die auch dafür sorgt, dass es den Drug Delivery gibt, also die Medikamente dann auch wirklich im Gehirn ankommen.

00:23:56: Das ist aktuell nicht Standardtherapie.

00:23:59: Und dennoch ... zeigt sich relativ klar, wir können neue Inflammation unter der rauf folgenden neurodegenerativen Erkrankung in jedem Zustand bei jedem Patienten beeinflussen.

00:24:11: Wir können Treiber für Entzündung versuchen zu reduzieren und hier wirklich naturheilkundliche Verfahren mit Anwänden begleitend zu auch noch weiterer Therapie ansetzen, die es logischerweise dabei gibt.

00:24:25: Aber wenn wir es schaffen, die chronische Entzündung perifier, Und im zentralen Nervensystem, also die Neuroinflammation in den Griff zu bekommen, haben wir eine gute Voraussetzung, dass das Gehirn wieder normal funktionieren kann, sich regenerieren kann, Schutzstoffe produzieren kann und nicht in eine Fehlfunktion gerät, nicht nur das Symptome entstehen, die viele heute im Alltag schon kennen, vor allen Dingen dann auch perspektivisch weniger Neurodegenerative Erkrankungen entstehen.

00:24:52: Neuroinflammation ist ein dynamischer Prozess im zentralen Nervensystem, akut, durchaus ein schützender Faktor.

00:25:00: Es gibt Phasen, wo eine akute Entzündung durchaus sinnvoll ist, die dann aber auch wieder abklingt.

00:25:06: Chronisch schaltet das System gerade im zentralen Nervensystem um.

00:25:10: Und dann wird es schädlich.

00:25:12: Und es kommt zu Veränderungen im Hirngewebe und zur Entstehung verschiedener Erkrankungen.

00:25:18: Neuroinflammation verbindet drei Ebenen, die wir im Alltag häufig getrennt betrachtet.

00:25:23: Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und Multiple Sclerose.

00:25:27: und frühe, vielleicht auch weiche Symptome wie Erschöpfung, Hirnnebel und Antriebslosigkeit.

00:25:34: Und die dritte Ebene, systemische Treiber wie niedrigardige Entzündung und die metabolische Belastung, also die Veränderung in unserem Stoffwechsel, die letztendlich auch die Neuroinflammation mit antreiben können.

00:25:49: Damit haben wir mit Neuroinflammationen einen wissenschaftlich plausiblen Mechanismus, der erklärt, warum Symptome entstehen und warum Interventionen wie Schlafstabilisierung, metabolische Kontrolle und vor allen Dingen regelmäßige Moderatbewegung klinisch so wirksam sein können.

00:26:06: Das war unser Deep Dive zu Neuroinflammation und wenn dir dieser Episode gefallen hat, vielleicht auch geholfen hat, du es interessant findest, dann teilt es auch gerne mit Kolleginnen und Kollegen, mit Menschen, die das auch interessieren könnte, diesen Mechanismus näher zu verstehen.

00:26:23: Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Episode mit einem spannenden Gast und natürlich auch auf den nächsten Deep Dive.

00:26:28: Bis dahin, alles Gute.

00:26:30: Revolutionäre Perspektiven auf Gesundheit und Krankheit.

00:26:35: Paracelsus Lab.

00:26:36: Paracelsus Lab.

00:26:38: Der Podcast der Paracelsus Gesundheitsakademien.

00:26:42: Mehr Infos auf Paracelsus.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.