Reward Deficiency Syndrome: Wenn Motivation biologisch blockiert wird (Deep Dive)
Shownotes
„Viele Menschen scheitern nicht an Disziplin, sondern daran, dass ihr Belohnungssystem Anstrengung nicht mehr als lohnend bewertet.“
In diesem PARACELSUS LAB Deep Dive erklärt Gesundheitswissenschaftler Matthias Baum das Reward Deficiency Syndrome. Es beschreibt, warum Motivation, Suchtverhalten, ADHS-ähnliche Symptome und Erschöpfung häufig gemeinsam auftreten. Nicht als neue Diagnose, sondern als Erklärungsansatz für ein Belohnungssystem, das in einer Welt permanenter Reize aus dem Gleichgewicht geraten kann.
Zentral ist die Rolle von Dopamin. Es ist kein Glückshormon, sondern ein Signal für Erwartung und Antrieb. Es entscheidet, ob sich Einsatz lohnt. Beim Reward Deficiency Syndrome geht es nicht um zu wenig Dopamin, sondern um eine veränderte Wirkung im Belohnungssystem. Natürliche Reize wie Bewegung, Lernen oder soziale Interaktion lösen weniger Motivation aus, während schnelle, intensive Reize stärker wirken. Die Suche nach Belohnung nimmt zu, die Zufriedenheit nimmt ab.
Begünstigt wird diese Entwicklung durch genetische Veranlagung, chronischen Stress, Schlafmangel und eine Umgebung mit dauerhafter Hochstimulation - etwa durch Social Media, Gaming oder stark verarbeitete Lebensmittel. Entscheidend ist nicht der einzelne Reiz, sondern das langfristige Muster. Aufmerksamkeitsschwierigkeiten oder impulsives Verhalten erscheinen so weniger als Willensschwäche, sondern als Ausdruck einer biologischen Anpassung.
Was bedeutet das für den Umgang mit Motivation und Selbstregulation? Warum reicht Willenskraft oft nicht aus? Und welche Rolle spielen Schlaf, Stressregulation, Bewegung und bewusste Reizreduktion für ein stabiles Belohnungssystem? Antworten direkt aus dem PARACELSUS LAB.
Ein ALL EARS ON YOU Original Podcast.
Transkript anzeigen
00:00:00: Das Belohnungsdefizitzentrum ist kein individuelles Versagen, auch wenn wir das logischerweise in unserem Verhalten mit beeinflussen können.
00:00:08: Aber es ist ein typisches Ergebnis eines sogenannten evolutionären Missmatchs.
00:00:29: Vielleicht kennen viele das Gefühl, man funktioniert.
00:00:32: Der Alltag läuft.
00:00:34: Man weiß was eigentlich sinnvoll oder gesund wäre und trotzdem stellt sich kaum das Gefühl ein dass es sich wirklich lohnt.
00:00:42: Man ist dabei nicht depressiv, man ist nicht faul und meistens auch gut informiert über die Themen und dennoch bleibt innerlich oft eine Unruhe oder Lehre oder dieses schwer greifbare Empfinden.
00:00:55: Man braucht immer mehr und trotzdem reicht es nicht aus.
00:00:58: Stattdessen ständige Scrollen, erhöhter Zuckerkonsum, Snacken, Alkohol-Konsum.
00:01:04: Gaming, Serienbinschwatchen oder Social Media nutzen.
00:01:10: Oder auch viel arbeiten und viel Sport treiben Selbstoptimierung immer mehr Input Und irgendwann stellt sich die Frage was stimmt eigentlich nicht mit mir?
00:01:19: Heute geht es um ein Modell das genau hier ansetzt Ein Modell dass hilft zu verstehen warum Motivationsmangel Sucht ADHS-ähnliche Symptomatik und der Schöpfung so häufig gemeinsam auftreten.
00:01:33: Wir sprechen über das Rebord Dificiency Syndrome oder auf Deutsch das Belohnungsdefizit-Zyndrom.
00:01:41: Das ist kein neues Krankheitslabel, keine Modediagnose sondern ein neurobiologisches Modell, dass beschreibt was passiert wenn ein evolutionär geprägtes Belohnungssystem in einer modernen Hochreitsumwelt arbeiten muss.
00:01:57: Und genau dazu schauen wir uns das einmal etwas detaillierter an.
00:02:02: Wenn wir über Störungen im Belohnungssystem sprechen, denken viele sofort an das Thema Sucht – an Alkohol-Konsum, Drogen oder vielleicht auch Glücksspiel.
00:02:11: Aber das greift zu kurz!
00:02:12: Das Reward Deficiency Syndrome ist relevant für Menschen mit Substanzabhängigkeiten, ja das ist richtig aber genauso für Menschen oder problematischem Umgang mit Videospielen, also Gaming, Social Media Verhalten und ähnlichem.
00:02:32: Und sehr häufig – das ist für viele interessant – bei dem Thema ADHS-Symptomatik besonders beim Menschen, bei denen es im Erwachsenenalter auftritt.
00:02:42: Der entscheidende Punkt ist, dass viele dieser Menschen keinen Willensproblem haben sondern ein Belohnungsproblem.
00:02:50: Sie wissen was sinnvoll wäre aber ihr Gehirn bewertet nicht mehr als lohnend eine andere Handlung beispielsweise durchzuführen.
00:02:58: Und genau hier beginnt das Verständnis zu dieser Problematik und es endet die Schuldfrage!
00:03:05: Das Belohnungsdefizitsyndrom beschreibt eine hypodopaminerge Funktionslage des Belohnungssystems.
00:03:12: Also das Ganze findet im zentralen Nervensystem in unserem Gehirn statt und Hypodopaminärg, also zu wenig Dopamin – das ist jetzt ganz wichtig heißt nicht es ist zu wenig dopamine vorhanden!
00:03:23: Es geht bei dem Belohnungen Defizitsydrom um eine gestörte Signalaktivität und Wirkung von Dopamin.
00:03:32: Also geht es hier eher um Dopaminrezeptoren beispielsweise.
00:03:35: Dopaminen selbst, das erkennen viele oder haben's schon mal gehört, hat irgendeine wichtige Funktion vielleicht mit dem Thema Glück?
00:03:43: Viele würden sagen, Dopamin ist eines unserer Glückshormone aber eigentlich in der Funktion und die Areale, die Hirnareale die mit Dopamin quasi mit aktiviert werden stehen eher in Verbindung Erwartungshaltung oder quasi ein Erwartungssignal.
00:03:59: Dopamin beantwortet also nicht bin ich glücklich, sondern lohnt sich das Ganze?
00:04:05: Soll ich dafür Energie investieren?
00:04:07: Oder soll ich daran bleiben?
00:04:09: Strukturell im Gehirn sprechen wir neben Dopaminen als Neurotransmitter über des sogenannte mesolimbische Belohnungssystemen.
00:04:18: Das ist eine Verschaltung im Gehören zwischen Mittelhirn dem Striatum und unserem präfrontalen Cortex.
00:04:26: Bei einem Belohnungsdefizit passiert jetzt allerdings folgendes.
00:04:30: Alltägliche natürliche Reizung, wie beispielsweise Bewegung, Lernen, soziale Interaktion – auch Essen gehört mit dazu – lösen zu wenig dopamineärge Resonanz aus.
00:04:43: Das Gehirn lernt dabei und beginnt stärkere Reize zu suchen.
00:04:51: um das genauer einordnet zu können, hilft es sich diese Gehirn-Belohnungskaskade etwas genauer anzuschauen.
00:04:58: Wenn wir uns das vereinfacht runterbrechen dann gibt es andere wichtige Botenstoffe im Gehirnt die dazu auch beitragen.
00:05:05: Das ist zum einen Serotonin, das vermittelt uns eher eine gewisse Grundsicherheit.
00:05:11: Dann haben wir endogene Opioide Die vermitteln Zufriedenheit und Verbundenheit.
00:05:17: Dann gibt es die Gammaaminobuttersäure Die reguliert die Reizfilterung.
00:05:22: Und zuletzt eben Dopamin, dass am Ende signalisieren kann einer Durchführung eine Handlung die wir getan haben.
00:05:29: Ja das war sinnvoll und bei einem Belohnungsdefizitsyndrom ist diese Kaskade funktionell gestört.
00:05:37: Wir sehen in einigen Untersuchungen die zu dem Thema gemacht worden sind mit bildgebenden Verfahren einen wiederholtes Muster Eine veränderte dopaminerge Signalverarbeitung im Striatum, also einem Teil dieses mesolimbischen Belohnungssystems.
00:05:53: Insbesondere in einem bestimmten Kerngebiet, das heißt Nucleus Acumbens, das habe ich zumindest mal erwähnt und dabei zeigt sich häufig eine reduzierte Rezeptor-Vervügbarkeit von Dopaminen.
00:06:06: Es gibt unterschiedliche Dopaminrezeptoren.
00:06:08: In dem Falle geht es um D zwei Rezeptoren.
00:06:11: die werden hier in diesen Untersuchungen häufiger beschrieben so dass die dopaminergen Signale schwächer wirken und natürliche Belohnung weniger Antrieb- und Motivation auslösen.
00:06:22: Aber was bedeutet das letztendlich für den Alltag?
00:06:26: Natürliche Belohnung kommt abgeschwächt an, gleichzeitig reagiert das System stärker auf Erwartungen und Hinweisreize.
00:06:35: Das ist zentral.
00:06:36: viele Betroffene reagieren intensiver auf das Versprechen der Belohnen als dann auf die Belohnungs selbst wo dann Dopamin wieder eine Rolle spielen würde.
00:06:45: Das erklärt uns sogenanntes craving.
00:06:49: Also die Suche wird quasi lauter.
00:06:52: das Ankommen, wenn es dann da ist bleibt aber leise und daraus entsteht ein innerer Druck.
00:06:58: ich brauche immer mehr Aber es fühlt sich nicht genug an.
00:07:01: vielleicht kennen wir einen oder anderen jetzt zuhören dieses Gefühl was entstehen kann.
00:07:06: Warum kann dann eigentlich ein sogenanntes Belohnungsdefizitsyndrom entstehen?
00:07:11: Dafür gibt es drei unterschiedliche Ebenen und die sollten wir uns einmal genauer anschauen.
00:07:15: Wir haben einmal eine genetische Vulnerabilität, das Belohnungstefizitsychndrom hängt jetzt nicht nur von einem einzelnen Gen ab.
00:07:25: Es wird als Polygen beschrieben also einen Zusammenspiel vieler Gene mit jeweils kleinen Effekten das Belohnungssystem quasi damit auswirken können.
00:07:36: Aber am Ende sorgt es dafür, dass die dopaminergen Signalwege beeinflusst werden, Rezeptordichte abnimmt und die Signalübertragung abgeschwächt funktioniert.
00:07:46: Das ist bitte zur Einordnung kein Defekt sondern erstmal grundsätzlich eine Disposition, die einige Menschen von uns haben.
00:07:55: Die zweite Ebene, die zur Entstehung eines Reward-Deficiency-Syndromes führen kann ist eine epigenetische Prägung.
00:08:04: Jetzt geht es nicht mehr um genetische Veränderungen, die vielleicht eine Rolle spielen können sondern wie sich unser Leben entwickelt und vor allen Dingen im Laufe des Lebens.
00:08:13: Und hier müssen wir insbesondere auf die Kinder und vielleicht auch schon Babys drauf schauen.
00:08:18: Das heißt chronische Stressbelastung Schlafmangel Traumata Psychoemotionale Traumatam beispielsweise aber auch körperliche Gehirn mit dazu Entzündungen.
00:08:27: Diese Mechanismen reduzieren die Wirksamkeit dopaminerge Signale.
00:08:32: Und das kann sich dann über das ganze Leben auch mit erstrecken, ein dauerhaft aktives Stresssystem beispielsweise plokiert quasi das Belohnungssystem.
00:08:41: Die dritte Ebene ist die Lerngeschichte.
00:08:43: es geht um hochintensive Reize wie beispielsweise über Social Media Gaming, dauerhafter Zuckerkonsum im höheren Alter noch Alkoholkonsum.
00:08:53: Diese hochintensiven Reize liefern schnelle Dopamin-Spikes.
00:08:57: Das wurde immer schon mal auch mit beschrieben und die wirken natürlich erstmal kurzfristig belohnend, langfristig sorgt das Ganze aber zu einer Art Downregulation.
00:09:08: also ihr seht wir haben diese drei Ebenen genetisch epigenetisch und Lerngeschichte und Verhaltensweisen so dass es zur eine Veränderung im Belohnungssystem kommen kann und dann vielleicht auch ein Reward Deficiency Syndrome entstehen kann.
00:09:21: An dieser Stelle lohnt sich aber nochmal so ein Perspektivwechsel.
00:09:25: Das Belohnungsdefizitsyndrom ist kein individuelles Versagen, auch wenn wir das logischerweise in unserem Verhalten mit beeinflussen können.
00:09:33: Aber es ist ein typisches Ergebnis eines sogenannten evolutionären Missmatchs.
00:09:39: Was bedeutet das?
00:09:40: Unser Belohnungssystem ist das Resultat aus Jahrmillionen.
00:09:45: Evolution und Belohnungen war evolutionär gekoppelt an Bewegung an ein Aufwand und auch ein gewisses Risiko, an soziale Interaktion.
00:09:56: Und das ist ganz entscheidend eine zeitliche Verzögerung.
00:10:00: Das heißt dass das Belohnungssystem dann quasi aktiv wurde.
00:10:03: muss vorher immer etwas passiert sein.
00:10:05: Das heisst auch Dopamin wurde ausgeschüttet.
00:10:08: wenn sich Einsatz wirklich gelohnt hat beispielsweise nach einer Jagd oder irgendeiner Form der Problemlösung nach sozialer Anerkennung.
00:10:18: Belohnung war dabei eher selten etwas Wertvolles und anstrengungsgebunden.
00:10:24: Und heute leben wir in einer Welt, in der Belohnungen ständig verfügbar ist – ohne Aufwand und ohne Wartezeit!
00:10:31: Gerade wenn wir so mit Blick auf Social Media schauen, dann ist es Einglick einwisch-einleig.
00:10:37: Das Belohnungssystem unterscheidet jetzt hier aber nicht zwischen evolutionär sinnvoll und künstlich erzeugt.
00:10:44: die Mechanismen bleiben gleich.
00:10:46: Das Gehirn reagiert letztendlich auf die Reizintensität und die Vorhersagefehler.
00:10:52: Die Folge ist nicht Überaktivierung, sondern – das ist der entscheidende Mechanismus – Desensibilisierung.
00:10:59: Ein Belohnungsdefizit ist damit keine klassische Krankheit, sondern ein biologisch nachvollziehbarer Anpassungsprozess oder eine Anpassungsreaktion nicht mehr natürliche Umwelt, in der wir uns befinden.
00:11:14: Und gerade das Thema Social Media wird ja in den Medien grade heiß diskutiert und macht es Sinn Kindern- und Jugendlichen Social Media zu verbieten.
00:11:24: Vor diesem Hintergrund sollte man vielleicht sowieso nochmal diese Debatte etwas neu einordnen.
00:11:31: Deswegen hatte ich mir gedacht, sollten wir dieses Thema mal besprechen?
00:11:34: Was wir heute sehen ist, die Bildschirm-Nutzungszeit beginnt immer früher.
00:11:39: Also in jüngeren Jahren.
00:11:41: und was noch mit dazu kommt.
00:11:43: das, was medial angeboten wird hat eine sehr hohe Reizfrequenz.
00:11:48: Und was sehen wir parallel mit dazu?
00:11:50: Die Zunahme von ADHS-Diagnosen oder ADHS ähnliche Symptomatik.
00:11:56: Das ist jetzt sehr spannend weil es kommt bei vielen auch erst im Erwachsenenalter mit dazu.
00:12:02: Hier eine wichtige Klarstellung.
00:12:04: Ich möchte nicht sagen, dass Social Media ADHS verursacht ist ein ganz eigenes Krankheitsbild.
00:12:09: wir haben ganz andere strukturelle Veränderungen aber Gemeinsamkeiten wenn es um das Belohnungssystem geht.
00:12:15: die Datenlage spricht hier überwiegend von associativen teils auch bidirektionalen Zusammenhängen.
00:12:21: also das bedeutet Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeits- und Impulsivitätsprobleme haben ein höheres Risiko für problematische Mediennutzung und problematischen Mediennitzungen kann Aufmerksamkeits- und Regulationsprobleme über die Zeit verstärken.
00:12:38: Das heißt nicht nochmal, dass Social Media alleine irgendwie ADHS erzeugt, aber diese Symptomatik ist natürlich sehr ähnlich.
00:12:46: Social Media Plattformen sind darüber hinaus gezielt darauf ausgelegt, die Neuheit, die Unvorhersagbarkeit und die schnelle Rückmeldung zu maximieren.
00:12:56: Wir sprechen ja hier auch von einer Art süchtig machenden Verhalten.
00:13:00: Und sind wir mal ehrlich, das betrifft dann nicht nur Kinder sondern auch viele Erwachsenen haben das gleiche Empfinden dass man irgendwie immer weiter doomstrawlt und durch diese Social Media Landschaft sich bewegt.
00:13:14: Warum funktioniert?
00:13:15: Das ist es kurzfristig belohnt.
00:13:17: Langfristig passiert das was wir aus der Suchtforschung kennen die Dopamin Antwort pro Zeit wird kleiner Die Erwartung wird größer und das System reguliert runter.
00:13:30: Und dementsprechend nehmen wir die Reize anders wahr, und d.h.
00:13:34: insbesondere bei Kindern und Jugendlichen haben wir eine noch mal größere Besonderheit und deswegen auch Wichtigkeit hier, Kinder- und Jugendliche zu schützen.
00:13:45: Die Belohnungsnetzwerke sind hier noch hochplastisch.
00:13:48: D.h.,
00:13:48: sie sind noch gar nicht so ausgeprägt und ausgebildet?
00:13:51: Und dann kann es wirklich zu einer funktionellen Umprogrammierung kommen.
00:13:55: Auch im erwachsenen Alter kann das durchaus passieren, aber nicht mehr so stark und es geht eben weg von langsamem und aufbauenden Belohnungen hin zur schnellen Flachenreizen.
00:14:07: Das Ergebnis sehen dann viele entweder bei ihren eigenen Kindern oder auch am therapeutischen Umfeld eine geringe Frustrationstoleranz, Ablenkbarkeit, Impulsivität und Konzentrationsprobleme.
00:14:19: die Symptome ähneln Der ADHS, das muss man ganz klar sagen.
00:14:24: Es ist aber nicht gleich ADHS.
00:14:27: Dennoch wenn solche Symptome mehr und mehr auftreten, ist das vielleicht auch verhaltenstherapeutisch etwas was man mal abklären sollte.
00:14:35: ADHS bleibt also eine neuroentwicklungsbedingte Störung oder Veränderung im Gehirn.
00:14:41: Das Reward Deficiency Syndrome erklärt aber warum Aufmerksamkeitssymptome in Hochreizumwelten zunehmen können – auch ohne ADHS.
00:14:49: Jetzt ist die Frage, was kann man vielleicht therapeutisch anwenden oder vielleicht auch für einen selbst mit umsetzen.
00:14:57: Wir haben dann viele über Social Media verbreitete Konzepte, was dann vielleicht sinnvoll wäre.
00:15:03: Die Lösung, um das vorwegzugreifen, nicht noch mehr Dopamin ins System zu bringen und diese Vorstellung ist es eben zu viel.
00:15:12: Da müssen wir das rausnehmen.
00:15:14: Auch das macht weniger Sinn.
00:15:15: Das Ziel sollte eigentlich sein ... funktionelle Veränderung im Belohnungssystem, also muss dieses System eigentlich neu rekalibriert werden.
00:15:26: Auch hier habe ich unterschiedliche Ebenen mal zusammengetragen worüber man nachdenken könnte wo man vielleicht auch die ersten Blicke drauf wenden sollte.
00:15:32: Die erste Ebene sehe ich definitiv im Bereich Schlaf und Schlafoptimierung sowie unserem Biorythmus.
00:15:40: Denn nochmal, es geht nicht um zu wenig Dopamin oder noch mehr Dopaminen bekommen.
00:15:44: Aber es gibt eine zyklische Bewegung, eine zyklicke zirkadiane Bewegung von Dopamin über den Tag.
00:15:51: Das heißt wir haben zyclische Ausschüttungen und wenn wir uns also außerhalb unseres Biorhythmus bewegen oder Schlafmangel im Nachweis haben dann reduziert sich auch die Rezeptorsensitivität dieser sogenannten D-II-Rezeptoren was am Ende dazu führt das in den Situationen Belohnung noch mal schlechter funktioniert oder das Belohnungssystem selbst.
00:16:13: Die zweite Ebene, ich habe es eben schon ein bisschen mit angesprochen ist das Thema der Stressregulation.
00:16:18: Kronische Stressbelastungen insbesondere mit zu viel Cortisol blockieren die Motivation beziehungsweise des Belohnensystems und hier gibt es natürlich verschiedene Ansatzpunkte wie man chronischen Stress mit angehen könnte oder was man zu Stressregulationen machen könnte, von Atemübungen oder HRV-Arbeit oder Techniken die Herzratenbarabilität zu verbessern.
00:16:40: Oder bei anhaltendem hohen Tempo mit dem man unterwegs ist – ich habe es eingangs eben erwähnt viele Menschen sind quasi auch im Selbstoptibierungsmodus vielleicht unterwegs das Tempo zu reduzieren und das hat jetzt alles weniger mit irgendeinem Wellnessgedanken zu tun, sondern wirkt sich wirklich neurobiologisch auf unser Gehirn grundsätzlich.
00:16:59: Auf unsere Stressempfinden, auf Stressregulationen und natürlich auch auf das Belohnungssystem aus.
00:17:06: Die dritte wichtige Komponente – die kommt dann in unserer heutigen Zeit sehr häufig zu kurz ist das Thema Bewegung!
00:17:13: Warum macht es aus unterschiedlichen Ebenen Sinn?
00:17:15: Regelmäßige und moderate Bewegungen helfen uns dabei eine natürliche Antwort im Belohnungssystem quasi mit zu erzeugen.
00:17:26: Wir verlassen das Feld von einer schnell Verfügbarkeit und einer hohe Reizanflutung, wir haben es eben schon eingeordnet.
00:17:35: Bewegung ist immer Bestandteil auch der natürlichen Antwort im Kontext des Belohnungssystems.
00:17:41: so von daher dass mehr und mehr mit zu integrieren macht durchaus Sinn.
00:17:45: Es geht jetzt aber nicht darum, einfach nur noch mehr Bewegung High Intensity oder eine Überstimulation zu erzeugen.
00:17:52: Das könnte dann unter Umständen auch kontraproduktiv sein.
00:17:54: nichtsdestotrotz.
00:17:56: Kopplung von Bewegung und gerne Bewegung verteilt auch über den Tag das heißt zwischen einzelnen Lerneinheiten oder Arbeitseinheiten jede Stunde sich kurz für ne Minute zu bewegen.
00:18:08: Das wäre schon ein sinnvoller Anfang.
00:18:10: Dann bis jetzt habe ich das nämlich noch nicht erwähnt die vierte Ebene macht quasi den Punkt von Reizreduktion und vielleicht auch einer Medienhygiene aus.
00:18:22: Das soll nicht ein hundertprozentiger Social Media Detox unbedingt sein, da kann man darüber nachdenken.
00:18:28: es geht auch nicht um Verzicht und auch grundsätzlich nicht erstmal für alle um Verbote sondern erst mal wieder eine Art der Stimuluskontrolle.
00:18:37: Das heißt zumindest, bewusste Pausen einzubauen.
00:18:40: Weg von diesen Hochreizquellen und dann wirklich nur ganz gezielt zu verwenden.
00:18:45: Der einfache Trick für die Leute, die jetzt sagen genau das schaffe ich nicht!
00:18:49: Ich habe alle mögliche Social-Media Portale.
00:18:52: Macht es euch einfach, lagert solche Apps beispielsweise an eurem Handy aus?
00:18:56: Schaltet sie ab, schaltet Benachrichtigungen ab so dass man zumindest weniger häufig drauf geht und man noch ein extra Schritt gehen muss.
00:19:04: schaltet vielleicht bei eurem Handy, mittlerweile ist das ganz gut möglich die Farbwahl etwas aus macht den Blick auf das Handy etwas unattraktiver wenn ihr auf euren Homebildschirm schaut um hier wirklich Pausen einzubauen.
00:19:16: im Idealfall macht man es natürlich bewusst und sagt ich gebe mir maximal ein paar Minuten am Tag für Social Media beispielsweise.
00:19:25: aber sind wir mal ehrlich häufig funktioniert das nicht so gut.
00:19:28: von daher muss man mit so ein paar Tricks arbeiten.
00:19:31: Die letzte Ebene betrifft natürlich Menschen, die jetzt auch sagen oder vielleicht auch in dem Bereich tätig sind.
00:19:37: Die das auch unterstützen würden, dass man das Ganze auf einer Coaching- oder psychotherapeutischen Ebene durchaus mit begleiten kann und quasi auch an der Verhaltenstherapie mehr zum Thema Belohnungslernen oder auf Frustrationstoleranz mehr mit einbauen kann so dass sich das durchaus auch professionell begleitet mit verbessern kann.
00:20:00: Gleichzeitig gehört hier auch mit dazu die Frage nach dem Sinn des ganzen, was ich umsetze.
00:20:07: Zielklarheit und auch das Thema der Selbstwirksamkeit, die hier im Idealfall in einer professionellen Begleitung mit ergänzt werden können.
00:20:16: Das Reward Deficiency Syndrome wird dann am Ende nicht geheilt aber es wird reguliert Und genau darum geht es.
00:20:24: Das Reward Deficiency Syndrome ist final keine Diagnose.
00:20:28: Ihr werdet das nicht finden in einer Diagnosenverschlüsselung oder ähnlichem, aber es ist durchaus ein sehr starkes Modell um einen anderen Blick auf diese Thematik zu bekommen.
00:20:40: Es hilft meines Erachtens sehr dabei, es zu instigmatisieren wenn Menschen nach bestimmten Mustern handeln oder solche Symptome, ADHS-ähnlichen Symptomen irgendwie auftreten und das vielleicht gesellschaftlich dann sonst sehr schnell zu einem Stigma führt.
00:20:56: Es helft außerdem dabei Symptöme zu verbinden und im Idealfall so wie ich's gerade schon versucht habe anzudeuten Therapie sinnvoll zu strukturieren Und darüber hinaus erklärt es, warum Willenskraft alleine häufig auch scheitert.
00:21:14: Auch Medikamente allein oft nicht ausreichen und Sinn Beziehung und Rhythmus biologisch relevant sind.
00:21:21: Wenn wir über das Reward Deficiency Syndrome sprechen geht es nicht darum ein neues Krankheitsbild zu erfinden.
00:21:28: Es geht darum, diese Muster zu verstehen.
00:21:31: Das Modell hilft zu erklären warum Motivation, Impulsivität, Suchtverhalten und Aufmerksamkeitsprobleme heute so häufig gemeinsam auftreten ohne sie vorschnell zu pathologisieren oder auch zum moralisieren.
00:21:46: Reward Deficiency Syndrome beschreibt keine feste Diagnose, sondern eine funktionelle Verschiebung im Belohnungssystem die durch genetische Vulnerabilität Stress und eine Hochreiz Gesellschaft und Umwelt begünstigt wird.
00:22:02: Das Verständnis ersetzt keine Diagnosis aber es erweitert den Blick und genau das ist oft der entscheidende erste therapeutische Schritt.
00:22:11: Wenn euch diese Episode geholfen oder auch gefallen hat, Zusammenhänge besser einzuordnen.
00:22:17: Dann freuen wir uns natürlich wenn ihr sie mit Menschen teilt für die dieses Thema relevant sein könnte und natürlich freuen wir uns wenn ihr dem Paracelsus-Lab folgt um keine weitere Episode zu verpassen.
00:22:29: ich freue mich auf die nächste spannende Episode Und bis dahin alles Gute und bleibt gesund!
00:22:35: Revolutionäre Perspektiven Auf Gesundheit und Krankheit Parazelsos Lab, der Podcast der Parazselsos Gesundheitsakademie.
00:22:48: Mehr Infos auf.
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