Frauengesundheit: Patienten zweiter Klasse? (Deep Dive)

Shownotes

„Unsere Medizin ist nicht neutral, sie wurde über Jahrzehnte am männlichen Körper ausgerichtet. Das benachteiligt Frauen massiv.“ In diesem PARACELSUS LAB Deep Dive erklärt Gesundheitswissenschaftler Matthias Baum, warum Frauengesundheit weit mehr ist als ein Spezialgebiet für Hormone oder Schwangerschaft. Es geht um Gendermedizin und um die Frage, wie objektiv unser Gesundheitssystem wirklich ist. Viele Studien, Leitlinien und Dosierungsempfehlungen beruhen historisch vor allem auf Daten männlicher Probanden. Das hat Folgen für Diagnostik und Therapie.

Ein zentrales Beispiel sind Herz Kreislauf Erkrankungen. Sie betreffen Frauen genauso häufig wie Männer. Dennoch werden Herzinfarkte bei Frauen oft später erkannt, weil Symptome anders aussehen und nicht dem klassischen Lehrbuchbild entsprechen. Dadurch steigt das Risiko für schwere Verläufe. Auch bei Medikamenten zeigen sich Unterschiede. Stoffwechsel, Hormonlage und Körperzusammensetzung beeinflussen Wirkung und Nebenwirkungen deutlich. Wird das nicht berücksichtigt, entsteht keine individuelle Medizin, sondern eine vereinfachte.

Gendermedizin bedeutet daher nicht Ideologie, sondern Genauigkeit. Biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern wirken sich auf Krankheitsverlauf, Diagnostik und Therapie aus. Wenn diese Unterschiede in Forschung und Praxis nicht ausreichend einbezogen werden, entstehen systematische Lücken in der Versorgung. Wie männerzentriert ist medizinische Forschung bis heute? Warum werden Symptome bei Frauen häufiger fehlinterpretiert? Und weshalb ist geschlechtersensible Medizin ein notwendiger Schritt hin zu besserer, präziserer Versorgung?

Antworten direkt aus dem PARACELSUS LAB.

Ein ALL EARS ON YOU Original Podcast.

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00:00:00: Gendermedizin ist kein Spezialfach und auch keine Ideologie, sondern beschreibt etwas sehr Grundsätzliches.

00:00:07: Und ein Beispiel wenn wir über Medikamentenwirkung an der Stelle sprechen, kennen wir in einem spezifischen Schlafmittel wo das sehr genau festgestellt worden ist.

00:00:16: Wir hatten Studien die am Männern durchgeführt worden sind, Dosierungen wurden festgelegt und genau hier zeigte sich dass wenn Frauen dieses Schlafmittel verwendet haben werden deutlich langsamer Abbau des Medikaments gesehen haben höhere Blutspiegel auch noch am Morgen und ein erhöhtes Risiko für Benommenheit, für Stürze, für Verkehrsunfälle die auftreten konnten.

00:00:52: Hallo Menschen und willkommen zu einem neuen Paracelsus-Leb Deepdive, den wir einen wichtigen Thema widmen wollen.

00:00:59: Am kommenden Sonntag ist Weltfrauentag und es wird Zeit in einem Deepdiv über Frauengesundheit zu sprechen.

00:01:07: Wenn wir aber heute über Frauengesundheit sprechen geht es nicht darum was Frauen angeblich mehr betrifft, Gynäkologie um Schwangerschaft, um hormonelle Veränderung.

00:01:16: Es geht vielmehr darum was ein Gesundheitssystem systematisch übersieht.

00:01:22: Frauen leben im Schnitt länger als Männer und sterben trotzdem häufiger an Herzinfarkten.

00:01:28: Das klingt paradox, ist aber Realität!

00:01:31: Jedes Jahr sterben mehr Frauen an Herzkreislauferkrankungen als an allen Krebserkrankung zusammen.

00:01:37: Trotzdem wird gesellschaftlich und medial häufig suggeriert – die größte Gesundheitsgefahr für Frauen liegt beim Prustkrebs nicht beim Herzinfakt.

00:01:46: Warum ist das so?

00:01:47: Das liegt nicht daran, weil Frauen schlechter auf sich achten.

00:01:50: Sondern weil Medizin über Jahrzehnte auf ein Referenzkörper ausgerichtet war, nämlich dem männlichen.

00:01:58: Heute sprechen wir also darüber was Gendermedizin eigentlich bedeutet.

00:02:04: Warum der männliche Körper zum medizinischen Standard wurde welche Konsequenzen das für Medikamente und Diagnostik hat Warum Herzkreis auf Erkrankung bei Frauen unterschätzt werden und warum Frauengesundheit wirklich mehr ist als Gynäkologie.

00:02:20: Ich spreche dabei nicht im Namen aller Frauen, ich möchte das gerne vorweggeschieben, ich spreche über ein medizinisches System, das lange geglaubt hat geschlechtsneutral zu sein, es aber faktisch nicht ist.

00:02:33: Von daher lass uns einsteigen was bedeutet Gendermedizin eigentlich?

00:02:39: Gendermedizin ist kein Spezialfach und auch keine Ideologie, sondern beschreibt etwas sehr Grundsätzliches.

00:02:46: Die systematische Berücksichtigung biologischer Geschlechtsunterschiede in Forschung Diagnostik und Therapie.

00:02:54: Dabei geht es nicht um Sozialrollenbilder, sondern um messbare biologische Unterschiede.

00:03:00: Beispielsweise im Bereich der Anatomie und Hormonhaushalt wird relativ schnell klar werden aber auch im Stoffwechsel der Leberfunktion beispielsweise in Immunreaktion.

00:03:11: und dann ein ganz wichtiger Aspekt der enorm unterschätzt worden ist die sogenannte Pharmacokinetik Dynamik, also wir reden über Medikamente die standardmäßig geschlechtsneutral immer in der gleichen Dosierung gegeben werden.

00:03:27: Aber wir wollen darauf schauen wo diese Dosierung dann eigentlich herkommt?

00:03:31: Die Gendermedizin fragt wirkt eine Therapie bei Frauen und Männern gleich?

00:03:37: sind Symptome bei bestimmten Krankheitsbildern identisch?

00:03:41: gibt es Unterschiede beim Nebenwirkungen beispielsweise von Medikamenten universell gültig.

00:03:50: Und die ernüchternde Antwort lautet oft, nein!

00:03:53: Dann stellt sich die Frage warum der männliche Körper zum Standard wurde in der Medizin?

00:03:59: Dass der männlische Körper zu medizinischen Referenzmodell wurde hat eher historische Gründe und basiert nicht auf irgendeiner Verschwörung.

00:04:08: Es kam im Laufe der Zeit und dem Laufen der Forschung mehrere Faktoren zusammen.

00:04:14: Das eine ist im Design von Studien, die durchgeführt worden sind.

00:04:19: Das können unterschiedliche Bereiche sein.

00:04:21: Wir sehen das vor allen Dingen beim Medikamentenstudien, die übergeführt wurden.

00:04:25: Frauen galten lange als sehr variabel natürlich mit hormonellen Veränderungen zyklos aber auch Lebensphasen wie beispielsweise der Schwangerschaft und Stillzeit Und Männer galten im Vergleich dazu eher als stabiler, nicht in ihrer Persönlichkeit sondern grundsätzlich was gewisse Schwankungen und Veränderung und Lebensphasen angeht.

00:04:47: Für die Studiendesigns und den Populationen, die in den Studien ausgewählt worden sind deutlich einfacher in der Durchführung.

00:04:55: Natürlich war auch gleichzeitig bei der Anwendung von Medikamenten, wir haben das Thema bis heute immer wieder.

00:05:00: Auch ethische Fragen die gestellt worden sind, es ging dann aber um Haftungs- und Sicherheitsbedenken.

00:05:07: quasi aus Angst vor Schädigungen gerade im Rahmen der Schwangerschaft wurden Frauen systematisch aus Studien ausgeschlossen.

00:05:15: Dann gab es einen großen Forschungsbereich, der sich im Bereich der Militär- und Arbeitsmedizin auf bestimmte Indikationen bezogen hat.

00:05:24: Wo wir viel Ursprung in der modernen Medizin quasi finden können.

00:05:28: Das heißt viele medizinische Erkenntnisse stammen aus Kontexten, in denen fast ausschließlich Männer untersucht wurden.

00:05:35: Und dann gibt es einen weiteren wichtigen Faktor, warum unser System so entstanden ist sich darstellt, beziehungsweise auf Männer standardisiert wurde.

00:05:45: Wir hatten dann am Ende der Studienergebnisse aus männlichen Populationen und die wurden erst mal nur auch Frauen übertragen ohne eine systematische Überprüfung.

00:05:55: Und das war nicht falsch im Sinne von böswillig aber es war wissenschaftlich unvollständig und definitiv nichts gerecht und natürlich auch nicht stimmig.

00:06:07: zu den biologischen Systemen wo wir doch deutliche Unterschiede bei Männern und Frauen finden Denn die gleiche Behandlung heißt nicht, dass man gerecht behandelt wird.

00:06:17: Es müssen unterschiedliche Dinge berücksichtigt werden und Frauen sind in ihrer Biologie keine Männer und andersherum logischerweise auch.

00:06:27: aber das System baut natürlich primär auf dem Referenzkörper Mann auf.

00:06:32: relevante Unterschiede können wir feststellen in unterschiedlichen Bereichen.

00:06:36: viele der dinge sind sehr wahrscheinlich auch bekannt, aber es geht beispielsweise um den Körperfettgehalt oder Wasserverteilung im Körper.

00:06:45: Es geht um den Stoffwechsel, den habe ich eben schon erwähnt und wir haben in unterschiedlichen Episoden auch schon dazu gesprochen dass die Leberentgiftung in ihren unterschiedlichen Phasen nicht bei jedem gleich abläuft.

00:06:56: da gibt es genetische Unterschiede und definitiv nochmal Unterschiede zwischen Männern und Frauen also in der Aktivität der Leberenzümer und das ist wichtig Weil jedes Medikament wird in den Körper gelangen und in der Leber aktiviert werden.

00:07:11: Phase eins, der Entgiftung – wir haben hier verschiedene Zypenzyme Und wir sehen hier Unterschiede bei Männern und Frauen.

00:07:18: Dann haben wir aber auch im Verdauungs-Trakt Unterschiede die wir feststellen zwischen Frauen und Männern beispielsweise wenn es um das Thema der Magenentlehrung geht oder um Resorptionszeiten von Wirkstoffen, Nährstoffen und vielen mehr.

00:07:31: Wir sehen enorme Unterschiede in der Funktionsweise des Immunsystems und der Art der Reaktionen.

00:07:37: Auch hier wird natürlich viel mehr mittlerweile dran geforscht, wir sehen Unterschiede an der Schmerzverarbeitung und logischerweise in der hormonellen Regulationen.

00:07:46: Und wenn wir diese Systeme nun alle zusammenbauen – wir haben häufiger schon dazu gesprochen -, dann ist es so oder so sehr individuell aber grob geklustert gibt es enorme Unterschiedes zwischen Frauen und Männern Und diese Unterschiede haben dann konkrete klinische Folgen.

00:08:03: Das bedeutet am Ende des Tages, wir haben bei gleicher standardisierter Medikation getestet an Männern ein anderes Wirkstoffprofil beziehungsweise einen anderen Wirkstoff Spiegel im Blut.

00:08:16: Wir haben andere Nebenwirkungsprofile die vielleicht auch in vorherigen Studien so gar nicht untersucht worden sind.

00:08:25: optimale Dosierungen oder eben auch fehlerhafte Dosierung in den Medikamenten und eine andere Therapiatherenz.

00:08:34: Und ein Beispiel, wenn wir über Medikamente Wirkung an der Stelle sprechen, kennen wir an einem spezifischen Schlafmittel wo das sehr genau festgestellt worden ist, Zeupi, dem wer das schon mal gehört hat Und auch hier hatten wir genau das gleiche Prinzip.

00:08:48: Wir hatten Studien, die an Männern durchgeführt worden sind, Dosierungen wurden festgelegt und die Entwicklung oder die Effekte.

00:08:56: Genau hier zeigte sich, dass wenn in Nachuntersuchung festgestellt wurde, dass Frauen dieses Schlafmittel verwendet haben wie ein deutlich langsameren Abbau des Medikaments gesehen haben höhere Blutspiegel auch noch am Morgen.

00:09:13: Die Konsequenz daraus, die empfohlene Anfangsdosierung für Frauen musste nachträglich gesenkt werden.

00:09:21: Das ist ein Beispiel aus dem medizinischen Alltag heraus.

00:09:26: Das Entscheidende daran ist nicht das einzelne Medikament sondern die Erkenntnis, die eine Standarddosierung war in diesem Falle nicht neutral.

00:09:35: sie war männlich dominiert und dieses Bild zeigt sich nicht nur bei diesem einen Beispiel sondern ganz häufig.

00:09:43: Ähnliche Muster finden sich beispielsweise auch bei anderen Medikamentengruppen wie Psychopharmakar, Schmerzmittel und Herzkreislaufmedikament.

00:09:53: Wenn Frauen dann häufiger von Nebenwirkungen berichten ist das kein Zeichen der Überempfindlichkeit sondern sehr häufig ein Datenproblem beziehungsweise auch ein Überdosierungsproblem wo so viele Aspekte des biologischen Systems nicht berücksichtigt worden sind.

00:10:09: Ein anderer wichtiger Aspekt, auf den ich noch mal verweisen möchte.

00:10:12: Wir haben dazu schon eine ganz eigene Podcast-Episode aufgenommen wenn es um das Thema Herzgesundheit geht und Herzgesundenheit bei Frauen geht weil auch dieses Thema erstmal nur medial oder bei jeder einzelnen Person auch völlig unterrepräsentiert ist.

00:10:28: Herzkreis auf Erkrankung bei Frauen und das große Missverständnis dass es auch hier sehr wohl männlich eingeordnet wird.

00:10:37: Wenn man jemanden fragt, was wird so die Haupt- Todesursache sein?

00:10:40: Die meisten kennen wahrscheinlich die Aussage, dass es sich um Herzkreis der Verkrankung handelt.

00:10:45: Aber viele würden auch sagen ... Das ist schon eher ein männliches Problem!

00:10:49: Männer bekommen Herzinfarkte oder Herzkreise auf Erkrankungen.

00:10:52: Das ist rein faktisch medizinisch völlig falsch.

00:10:57: Für Frauen gilt das auch, dass Herzkreiser Verkranken die Haupttodesursachen sind und Herzinfakte als Hauptaspekt bei den Herzkreis auf Erkrankungen häufig nicht erkannt werden.

00:11:09: Das bedeutet, bei Frauen sind Herzenfakte häufiger tödlicher als beim Männern.

00:11:15: Sie werden deutlich später erkannt und das ist auch wichtig.

00:11:19: sie zeigen sich oft mit anderen Symptomen.

00:11:22: Während bei Männern häufig das Thema ... Und diese Symptome kennt man auch.

00:11:27: Brustdruck, also Schmerzen hinter dem Brustbein beispielsweise Ausstrahlung in den Arm oder den Kiefer im Vordergrund stehen.

00:11:35: Haben wir bei Frauen häufiger das Bild von anderen Symptomen die nicht direkt mit Herzinfarkt assoziiert werden Luftnot übelkeit extremen Erschöpfung Oberbauchbeschwerden Rückenschmerzen zwischen den Schulterplättern.

00:11:49: keine Sorge Nicht sofort.

00:11:51: wenn man eines diese Symptome jetzt gerade wahrnimmt hat man ein Herzinfakt.

00:11:55: Aber es ist unter Umständen eine andere Betrachtung und die Gefahr, die natürlich besteht.

00:12:00: Die Symptome passen nicht zu dem klassischen Bild was wir haben, das sehr Männer dominiert und geprägt ist.

00:12:07: Es ist nicht das klassische Lehrbuchbild der Symptomatik Und die Folge ist dann häufig eine Fehldeutung Im Praxisalltag unter Umständen auch eine veränderte Diagnose.

00:12:18: Man geht erst mal von etwas anderem aus, es wird gar nicht mit Blick auf das Herzkreislaufsystem weiter untersucht werden und das führt unweigerlich zu Zeitverlust und erklärt dann hier auch die deutlich höhere Mortalitätsrate.

00:12:32: Und bei Herzinfarkt selbst kennen die einen oder anderen gibt es unterschiedliche Infarktformen die bei Frauen häufiger auftreten können und dann noch mal mehr übersehen werden können.

00:12:44: Also, dass es vielleicht weniger EKG-Veränderungen geben würde, wenn ein Elektrocardiogramm gemacht wird oder Ähnliches.

00:12:51: Das bedeutet ganz nüchtern auf den Punkt gebracht.

00:12:54: Frauen werden im Gesundheitssystem oft später erkannt, weniger ernst genommen und dadurch auch schlechter behandelt.

00:13:01: Das bezieht sich insbesondere auf das Thema der Herzkreisterverkrankung.

00:13:05: Und relativ klar, der Zeitverlust bei einem Herzenfakt ist sehr entscheidend und die fehlende Zeit kostet unter Umständen Leben.

00:13:14: Warum ist das Thema Frauengesundheit oft so reduziert auf einzelne Themenbereiche, die nur frauenspezifisch sind?

00:13:24: reduziert.

00:13:24: Ich hatte es eben beim Einstieg schon erwähnt, heute möchte ich nicht explizit über Zyklus-Themen Schwangerschaft Menopause sprechen.

00:13:32: das sind sehr wichtige und spannende Themen.

00:13:34: dazu gibt es viele Fragen die wir definitiv auch noch klären werden aber die Assoziation gesellschaftlich für die meisten die in dieser Episode vielleicht auch reingehört haben werden denken okay wir reden über Frauengesundheit dann reden wir über Zyklus über Schwangersschaft über Menopausen Pubertät über Menstruation, prämenzielles Syndrome.

00:13:53: Was dann auch immer in diesem Bereich sich bewegt und natürlich sind diese Themen wichtig aber das ist das Entscheidende.

00:14:01: sie definieren nicht Frauengesundheit in Gänze.

00:14:05: Frauen sind auch bei anderen Erkrankungen überrepräsentiert und auch diese Themen rutschen häufig.

00:14:14: Ich hatte angesprochen, dass aus biologischer Perspektive Immunreaktion bei Frauen häufiger anders ablaufen.

00:14:19: Das heißt nicht, dass Männer davor gefeit sind oder alle Frauen sie nur bekommen.

00:14:24: Aber gerade bei Autoimmunaerkrankungen sehen wir Frauen überrepräsentiert an dem Thema.

00:14:29: Es wird trotzdem häufig anders daran geforscht ... Aber auch Themen wie chronisches Schmerz-Syndrom, Erschöpfungssyndrome oder stressassoziierte Erkrankungen sind sehr häufig bei Frauen.

00:14:42: Bilden das Ganze aber so nicht in der Forschung ab!

00:14:46: Es betrifft unterschiedliche biologische Systeme – das Immunsystem, das Nervensystem, den Stoffwechsel und das Herzkreisdorf-System.

00:14:54: Wenn wir also Frauengesundheit wirklich nur auf Gynäcologie reduzieren führt dass zu zentralen Erkrankungen- potenziell oder.

00:15:02: Gesundheit wird nicht wirklich im gesamten System betrachtet und nicht als frauenspezifisch relevant erkannt, was wirklich notwendig ist.

00:15:12: Mindestens mal bei den Erkränkungen aber natürlich auch bei Gesunderhaltung Prävention.

00:15:18: Frauengesundheit bedeutet systemische Medizin nicht organeinzeldenken oder systemeinzledenken.

00:15:25: wir müssen die Systeme hier zusammenbringen.

00:15:27: Okay, dann lass uns jetzt darüber sprechen.

00:15:30: Was muss sich konkret ändern?

00:15:33: Damit wir diese Missstände in unserem Gesundheitssystem ausräumen können und verhindern, dass es zu Fehlmedikationen, Überdosierungen kommt, dass Erkrankung übersehen werden und Frauengesundheit auf das Thema Gynäcologie reduziert wird.

00:15:48: Um das zu verhinderen habe ich mal verschiedene Aspekte mit berücksichtigt.

00:15:51: Ich hatte eingangs schon gesagt, Dinge verändern auf Ebene der Forschung, der Diagnostik und dann letztendlich auch der Therapie.

00:16:02: Und der erste wichtige Schritt ist natürlich das sich im Bereich der Forschungs- und Forschungsdesigns und der Populationsauswahl für Studien das Ganze durchaus noch mal mit verändert und anders mit berücksichtigt wird.

00:16:16: Studien müssen Frauen einschließen und geschlechtsspezifisch auswerten.

00:16:22: Ich sage nicht, dass das überhaupt nicht passiert.

00:16:24: Nur gerade bei Medikationen und Ähnlichem sehen wir das häufig nicht.

00:16:28: Es kommt am Ende zu einer Standardtosierung.

00:16:31: Es werden geschlechtsspezifische Unterschiede auch viele andere individuelle Unterschiede in Dosierungen mit berücksichtigt aber zumindest die Auswertung der Daten.

00:16:40: Das heißt nicht ich plädiere dafür, dass schwangere Frauen beispielsweise mehr und mehr mit untersucht werden müssen wenn gleich wieder eine große große Forschungsluke haben.

00:16:50: Es geht hier mehr darum, dass wir die geschlechtsspezifischen Unterschiede erkennen und auch nachjustieren.

00:16:57: Wir sehen das in vielen gesundheitspräventiven Untersuchungen.

00:17:01: Ein schönes Thema ist der Bereich, wenn wir über Lifestyleinterventionen sprechen ... Standardisiert eher an Männern orientiert rausgegeben werden.

00:17:11: Das kennen dann viele, wenn wir über bestimmte Ernährungsmuster sprechen, über intermittientes Fasten, über Kälterreize und es wird nicht ausreichend ein geschlechtsspezifischer Unterschied berücksichtigt und dementsprechend angepasst.

00:17:26: Und da brauchen wir mehr Forschung wirklich auf einer Systemebene und eine Veränderung wie wir Studien an der Stelle durchführen Gleichzeitig, wenn wir dann mehr in den diagnostischen und medizinischen Alltag eingehen.

00:17:39: Studien ist das eine aber es muss ankommen im medizinischem Alltag Und ich weiß dass viele Ärztinnen und Ärzte sich genau dafür einsetzen und wie gesagt nicht ideologisch über Gendermedizin zu sprechen sondern grundsätzlich andere geschlechtsspezifische Aspekte mit zu integrieren.

00:17:57: Das ist gerade auf Symptomebene super wichtig und relevant diese eben schon erwähnten weiblichen Symptomprofile mehr und mehr zumindest mal in Leitlinien einfließen zu lassen, dass es präsenter ist.

00:18:10: Und nachvollziehbarer ist weil auch hier geht es Medizinerinnen und Medizinern ja nicht darum das man Frauen gerne ausklammern möchte.

00:18:18: aber wenn der Fokus in der Forschung ein anderer war tauchen bestimmte Aspekte nicht mit auf.

00:18:24: Hier geht es also darum wirklich auch leitlinie anzupassen.

00:18:28: Ein weiterer Aspekt auch im diagnostischen Kontext sind die häufig zitierten Referenzwerte, die wir beispielsweise bei Blutparametern kennen.

00:18:37: Da haben wir glaube ich sowieso ein grundsätzliches Problem da Laborwerte erstmal erfasst werden wo wir quasi Normalverteilungen sehen von sehr niedrigen bis sehr hohen Werten.

00:18:47: und die ninety fünf Prozent wenn man sich in diesem Bereich befindet sagt man okay das ist ein guter Wert.

00:18:54: so und hier haben wir genau den entscheidenden Unterschied gesamtgesellschaftlich, so könnte man sagen.

00:19:00: Dass ein Wert in einem Referenzbereich noch nicht bedeutet dass man automatisch gesund ist und andersherum.

00:19:08: wenn natürlich die Werte sich mehr an männlichen Populationen beziehen dann passt das nicht zusammen mit einer weiblichen Perspektive darauf Und dementsprechend müssen Referenzwerte kritisch überprüft werden.

00:19:22: Im Idealfall haben wir geschlechtsspezifische Anpassungen und genau das muss für einzelne Werte, für bestimmte diagnostische Komplexe mehr und mehr mit untersucht werden, ausgewertet und integriert

00:19:36: werden.".

00:19:37: Und das endet nicht dort, gerade wenn wir über notfallmedizinische Betreuung sprechen und über Algorithmen wie wir bei Patienten vorgehen.

00:19:46: Und dann auch eben wieder hier auch Symptome erkennen da müssen solche Notfall-Algorithmen wirklich angepasst werden Auch geschlechtsspezifisch angepassten werden.

00:19:56: Darüber hinaus das wären für mich Punkte die auf einer Systemebene stattfinden Aber eben auch die individuelle Ebene soll.

00:20:02: ich hoffe dass natürlich viele Menschen jetzt zuhören Frauen Männer alles dazwischen und außerhalb, aber der entscheidende Punkt die individuelle Ebene mit zu berücksichtigen.

00:20:14: Die ein oder anderen hören das jetzt sind vielleicht selbst erst mal gefühlt nicht davon betroffen.

00:20:20: Das heißt hier ist natürlich wichtig mehr und mehr über diese Themen zu sprechen und klar mitzuteilen okay dass ist ein großes Thema unseres Gesundheitssystems Und für jeden einzelnen selbst darf man natürlich auch reflektieren könnte Beispielsweise das Thema der Herz-Kreisauferkrankung für mich eine Rolle spielen.

00:20:41: Und dementsprechend ist es wichtig, sich auch Gehör zu verschaffen bei Ärztinnen und Ärzten in dem man beispielsweise auch mithalt.

00:20:49: wenn wir hier nämlich auch wieder so eine familiäre Häufung von Herz-, Kreisauferkrankungen haben die sich in einer Familienanamnese feststellen lässt diese quasi auch aktiv zu benennen ja dann ist ein wichtiger Aspekt untypische Symptome, gerade noch mal mit Blick auf Herzkreisauferkrankungen wirklich auch zu erkennen für sich und noch viel wichtiger ernstzunehmen.

00:21:10: Und nicht darüber hinwegzugehen, sondern es ist wichtig dass man sich auch in diesen Bereichen außerhalb der Gynäkologie Unterstützung sucht und einen ärztlichen Rat sich einholt.

00:21:23: Man sollte ebenfalls das Thema ansprechen wenn es um Medikationen geht die man bekommt um potenzielle Nebenwirkungen, die auftreten können.

00:21:31: Und auch die Dosierung sollte an der Stelle hinterfragt werden, ob das wirklich passend ist für mich selbst als Individuum und geschlechtsspezifisch, ob diese Dosierung für Frauen auch wirklich passen ist?

00:21:43: Wichtig auch wenn Beschwerden auftreteten, wenn Symptome auftreten sich nicht schnell in ein Raster schieben lassen im Sinne von da werden Symptomen vielleicht eher stärker wahrgenommen und hier gibt es auch vielleicht eine geschlechtsspezifische Einordnung.

00:22:01: Das sollte man für sich selbst nicht zulassen, also nicht sich irgendwie so psychomatisieren lassen wenn man's so nennen würde sondern wirklich das ganze ernst nehmen ist mit den Ärzten besprechen dass vor allen Dingen auf individueller Ebene Also kurz vor dem Weltfrauentag des Thema Frauengesundheit und Gendermedizin vielleicht aus einer etwas anderen Perspektive.

00:22:21: Ich hoffe, es wird klar, dass meine Perspektive darauf heute eher auf ein System geht.

00:22:28: Auf einen Medizinsystem, auf einem Gesundheitssystem was einige Lehrstellen hat die gefüllt werden müssen.

00:22:34: ich möchte definitiv sagen das ist nicht darum geht, dass Frauen komplizierter sind als Männer auch wenn das Ursprung gerade in den Studiendesigns waren.

00:22:44: wir sehen aber Unterschiede und diese Unterschiede sind biologisch messbar Noch viel wichtiger, sie sind medizinisch relevant.

00:22:53: Wenn unsere Medizin weiterhin dieses Themenfeld ignoriert, dann ist das zum einen nicht objektiv und es ist vor allen Dingen nicht geschlechtsneutral sondern aufgrund der Datenlage ist es sehr, sehr männerspezifisch.

00:23:06: Und noch viel wichtiger die Medizin bleibt an der Stelle unvollständig.

00:23:11: Denn der Medizin bedeutet also hier nicht bevorzugen neue Präzision in der Medizin eine Möglichkeit individueller die therapeutische Begleitung, die medizinische Bekleidung auszurichten und zu gestalten.

00:23:28: Und Präcision ist das was gute Medizin am Ende dann auch ausmacht und von daher gibt es viel zu tun.

00:23:36: aber wie ich finde ein sehr wichtiges Thema und sinnvoll dass wir heute dazu gesprochen haben.

00:23:42: so und wenn diese Episode neue Perspektiven für euch eröffnet hat, dann freuen wir uns natürlich sehr darüber.

00:23:51: Wenn ihr diese Episode teilt mit anderen, die das interessieren könnte ... Ihr könnt es auch mit Kolleginnen und Kollegen, mit Ärzten, Heilpraktikern und allen unterschiedlichen medizinischen Professionen teilen, damit dieses Thema nicht unter den Teppich gekehrt wird.

00:24:07: Und zumindest auf der Ebene erst mal besprochen wird.

00:24:11: Dann hoffentlich in Forschung, Diagnostik und Therapie ein wichtiges Zuhause findet.

00:24:17: Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und ich freue mich auf die nächste Episode!

00:24:21: Und bis dahin, alles Gute!

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